Was bedeutet „halal“?

 

 

Wir leben in Deutschland in einer multiethnischen und pluralistischen Gesellschaft mit einer großen Diversität bezüglich verschiedenster Ansichten, Kulturen, Traditionen und Religionen, sodass schnell der Überblick über das eine oder andere verloren werden kann. So ist das auch beim Konzept des „halal“ im Islam. Oft wird „halal“ als das „koscher-Analogon“ aus den jüdischen Speisegesetzen bezeichnet und tatsächlich gibt es konzeptionelle Ähnlichkeiten, doch sind die beiden Begriffe nicht deckungsgleich und somit nicht zu verwechseln oder gleichzusetzen. Doch, da sogar Google1 diesen Fehler macht, jetzt nochmal von vorn.

Die Herkunft des Wortes "halal"

Sprachlich stammt das Wort „halal“ aus dem Arabischen und bedeutet „erlaubt“ oder „zulässig“. Das Gegenstück dazu ist „haram“ und bedeutet erwartungsgemäß „verboten“. Diese Definitionen ergeben sich aus den Geboten und Verboten Allahs im Koran, der Sunnah des Propheten Muhammed (s)2 und aus den Lehren, welche die verschiedenen Disziplinen islamischer Wissenschaften (z.B. Rechtswissenschaften) daraus ziehen.

Halal ist ein universelles Konzept

Halal und haram sind also zwei Grundsätze, die sich auf das gesamte menschliche (Zusammen-)Leben universell anwenden lassen. Es betrifft alles, was zum Leben dazugehört. Rechte zwischen Menschen, Familien- und Nachbarschaftsbeziehungen, die Behandlung von Tieren, der Umgang mit der Umwelt oder aber auch Finanzen und Banking sind, wie auch das Thema der Ernährung, nur einige wenige Beispiele die durch das helal-haram-Prinzip geregelt sind. Wie ist das zu verstehen? Nehmen wir ein Beispiel: Bei einem Backgammon-Spiel geht es heiß umher, sodass der Verlierer des Spiels seinen Unmut über die Niederlage nicht ertragen kann und schon ist es ihm rausgerutscht: „Wetten wir um 20 Euro, dass ich das nächste Spiel gewinne?“ Nun ließe sich fragen, wer darüber zu entscheiden hat, was jemand mit seinem Geld macht, außer der Person selbst? Doch sagt Allah dazu im Koran:

 

„O ihr Gläubigen! Wein, Glücksspiele, Opfergaben auf heidnischen Opfersteinen und Lospfeile, all das ist des Teufels Werk.

Ihr sollt es meiden, damit ihr wahren Erfolg erzielt.“ (Al-Máedah/Der Tisch. Sure 5, Vers 90).

 

Abgesehen davon, dass das Backgammon Spiel, islamisch gesehen, schon so nicht erlaubt ist, teilt Allah das Glücksspiel mit diesem Vers in die Kategorie „verboten“, also „nicht-halal“ beziehungsweise „haram“ ein und wir Muslime wissen auf diese Weise, dass wir kein Glücksspiel praktizieren sollten.

Spielwiese "halal"

Diese Vorgehensweise lässt sich nun auf alle Lebensbereiche übertragen. Mit der Hilfe islamischer Quellen, allen voran des Korans und der Sunnah des Propheten Muhammed (s), ergibt sich ein Denk- und Lebensmuster. Dieses steckt die Grenzen ab, anhand derer wir unseren persönlichen Lebensstil gestalten können. Es ist also darauf zu achten sich von Dingen zu distanzieren, die von Allah verboten wurden. Im Koran wird die Wichtigkeit dieser Aussage wie folgt ausgedrückt: 

 

„Sag3: ‚Ihr Leute der Schrift! Treibt es in eurer Religion nicht zu weit (und sagt nichts aus) außer der Wahrheit! Und folgt nicht der (persönlichen) Neigung von Leuten, die (schon) früher irregegangen sind und viele irregeführt haben und vom rechten Weg abgeirrt sind!’“ (Al-Máedah/Der Tisch. Sure 5, Vers 90). 

 

Andersherum jedoch stellt alles was als „halal“ eingestuft wird, eine Spielwiese dar, auf der wir uns frei bewegen können und uns keine Sorgen machen müssen, solange wir diese nicht verlassen. Denn schließlich sagt Allah selbst im Koran:

 

„O ihr, die ihr glaubt, erklärt die guten Dinge, die Allah euch erlaubt hat, nicht für verboten; doch übertretet auch nicht.

Denn Allah liebt die Übertreter nicht.“ (Al-Máedah/Der Tisch. Sure 5, Vers 87).

Wie das alles mit der Ernährung zusammenhängt und auf was dabei zu achten ist, lest Ihr in unserem nächsten Artikel „Wann sind Lebensmittel halal?“.

 


1Gibt man bei Google Translate „halal“ mit automatischer Spracherkennung ein, so bekommt man den Vorschlag, dass es sich um ein indonesisches Wort handelt, welches mit „koscher“ zu übersetzen ist.

2Abkürzung für „Sallallâhu aleyhi ve sellem“ (türkische Schreibweise) und bedeutet „Frieden und Segen sei auf Ihm“.

3 Anm. des Autors: Hier spricht Allah den Propheten Muhammed (s) direkt an.

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