Welche Lebensmittel sind halal?

 

Die Kategorisierung eines Lebensmittels als erlaubt (halal) oder verboten (haram) ist ein Zusammenspiel zahlreicher Faktoren (lies auch: Was bedeutet halal?). Die Primärquellen für ein solches Vorhaben sind der Koran und die Sunnah des Propheten Muhammed (s). Weiterhin spielen geografische Bedingungen und Gegebenheiten eine Rolle. Und letztlich ist die Lebensmittelproduktion ein so hoch spezialisiertes Gebiet, dass sie in verschiedene Wissenschaften (z.B. Lebensmittelchemie oder –technologie) eingeteilt wird. Prozesse und verwendete Materialien verändern sich derart schnell, dass keine allgemeingültigen Aussagen über Produktkategorien getroffen werden können. Viel mehr werden einzelne Komponenten und Herstellungsverfahren betrachtet und von islamischen Rechtsgelehrten analysiert und anschließend als halal oder nicht-halal eingestuft. 

Halal Einstufung durch Zertifizierungsinstitute

Die Einstufung wird heute nicht mehr von einzelnen Gelehrten durchgeführt. Für solche Aufgaben haben sich je nach Ansprüchen, Rechtsschule und Region in der Welt verschiedene Zertifizierungsinstitute etabliert, die im Auftrag von Lebensmittelproduzenten und Restaurants etc. die Zertifizierung eines Produkts als erlaubt (halal) durchführen. Für den Erhalt eines Siegels des entsprechenden Instituts muss die Organisation oder das Unternehmen, das das Zertifikat erhalten möchte, alle Kriterien und Bedingungen befolgen. Ein in Europa und besonders in Deutschland bekannter Ansprechpartner ist das Europäische Halal-Zertifizierungsinstitut (EHZ) in Hamburg. 

Kriterien für eine Halal-Zertifizierung

Das EHZ bietet eine leicht verständliche Übersicht [1] der notwendigen Kriterien für eine Halal-Zertifizierung. Zertifizierungsinstitute durchleuchten den Koran, die Sunnah des Propheten Muhammed (s) sowie Rechtsgutachten verschiedener Gelehrter und prüfen Produkte, Lebensmittel und besonders die Herstellungsverfahren nach den zuvor beschlossenen Standards. Diese sollen im Folgenden als Einführung in die Thematik betrachtet und sinngemäß wiedergegeben werden. Halal Lebensmittel müssen demnach

aus Halal-Rohstoffen bestehen

  •  von erlaubten Tieren stammen, die islamisch korrekt geschlachtet wurden.
  •  “rein“ hergestellt werden. Das heißt z.B. ohne Blut, Exkremente etc.
  • absolut alkoholfrei hergestellt werden.

Auch zur Verarbeitung darf kein Alkohol verwendet werden, wobei mit Alkohol in diesem Zusammenhang das Ethanol gemeint ist. Im übertragenen Sinne sind grundsätzlich alle berauschenden Mittel verboten (haram). Weiterhin gilt, dass Meerestiere grundsätzlich erlaubt sind. Diese bedürfen als Kaltblüter keiner Schlachtung.

 

Diese Kriterien können nachfolgend weiter aufgeschlüsselt werden. Da die Kategorie Fleisch ein weites und teilweise komplexes Gebiet dieser Thematik bildet, soll der Fokus erst einmal auf den Produkten und Lebensmitteln liegen. Punkte, wie die Halal-Schlachtung und die Kriterien beim Herstellungsprozess (Stichwort: Kreuzkontamination) von Lebensmitteln  werden in separaten Artikeln behandelt.

 

Halal-Rohstoffe zur Herstellung von Lebensmitteln sind

  • pflanzliche Rohstoffe, bei denen keine Gärung stattgefunden hat (z.B. nicht gegorene Fruchtsäfte)
  • tierische Rohstoffe, die von erlaubten und halal geschlachteten Tieren stammen (z.B. Gelatine von einem halal geschlachteten Rind). 

Haram-Rohstoffe sind

  • Blut
  • Schweinefleisch
  • Fleisch von verendeten Tieren
  • Fleisch von Raubtieren mit Fangzähnen, sowie Raubvögeln mit Krallen
  • Alkohol als Genussmittel, unabhängig von Form und Konzentration

Was bedeutet das konkret?

Die genannten Kriterien wirken allesamt etwas abstrakt. Zur besseren Verdeutlichung werden zwei konkrete Beispiele behandelt.

 

Einige Lebensmittelproduzenten sind, beispielsweise bei Fruchtgummis, von der Schweinegelatine auf Rindergelatine umgestiegen. Der Konsum von Rind und weiteren Erzeugnissen ist grundsätzlich erlaubt (halal). Ist das Tier jedoch nicht nach islamischen Richtlinien geschlachtet worden, darf auch die daraus gewonnene Gelatine nicht konsumiert werden. Eine ähnliche Schwierigkeit ergibt sich beim Kälberlab. Lab ist ein Gemisch aus verschiedenen Enzymen, das aus dem Labmagen eines geschlachteten Kalbs gewonnen wird und für die Käseherstellung notwendig ist.² Soll ein Produkt, für das Lab verwendet wurde, als halal eingestuft werden, dann muss das entsprechende Kalb halal geschlachtet worden sein. Ansonsten ist nach Ansicht vieler Gelehrter das gesamte Produkt (z.B. Käse) nicht als halal zu betrachten. Weitere, häufig in Süßigkeiten vorkommende, Inhaltsstoffe sind Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren. Grundsätzlich sind Glyceride das Produkt aus Glycerin (ein nicht-berauschendes Alkohol) und Säuren. In diesem Fall ist das Augenmerk auf die Speisefettsäuren zu richten. Nach EU-Richtlinien ist die Herkunft dieser nicht explizit anzugeben. Sie können pflanzlichen oder tierischen Ursprungs sein. Während sich der Name historisch etabliert hat, entspricht er heute nicht mehr explizit moderner Herstellungsverfahren. Tatsächlich können die genannten Säuren von tierischen Fetten stammen. Nach heutigen Standards werden diese jedoch oft aus Soja (pflanzlicher Ursprung) oder Milch (tierischer Ursprung) gewonnen werden. Wobei Milch nach islamischen Maßstäben als „rein“ gilt.

 

Wie bereits zuvor angedeutet, gibt es in der Lebensmittelherstellung sehr feine Nuancen, die bei der Betrachtung durch Zertifizierer und Gelehrte aufgrund unterschiedlicher regionaler Bedingungen und anderer Gegebenheiten zu minimal variierenden Speisevorschriften führen können. Zur Verdeutlichung wurden einfache Beispiele gewählt. Der Transfer auf komplizierte Produktionsprozesse bedarf deutlich komplexerer und tiefgreifenderer Betrachtungen. 

 

 

Nachdem bereits mehrfach der Punkt „Fleisch“ thematisiert wurde, lest Ihr im nächsten Artikel über das korrekte islamische Schlachten von Tieren und Variationen, die sich durch moderne Technologien etabliert haben: Artikel: Halal Fleisch. Wie erfolgt die islamische Schlachtung?


1http://www.eurohelal.de/index.php/halal-richtlinien.html

 

2http://www.zalp.ch/archiv/zalps/ten/te_la.html

 

 

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